Leseprobe aus / Extrait de [K]améleon #2

März / Mars 2010


Dominic Angeloch

 

Kurze Chronik einiger unvorhersehbarer Begebenheiten (creatio continua interrupta)

 

Im letzten unserer Jahre, es war etwa Ende August,

schälte sich etwas aus der drückenden Hitze – und platzte:

Hagel perforierte die Dächer, Stürme zerdrückten die

Fenster, Blitze stürzten vom schwarzdrohenden

Himmel und zerschmetterten mit den Mauern unserer

Behausungen das ganze Zuhaus an unseren Häusern.

Zwischen den Wolkenbergen schoss veilchenblaues

Sonnenlicht hervor und verätzte unsere Epidermis.

Wir verloren unsere Haare, Brauen, Wimpern, Lider;

unsere Extremitäten fielen von uns ab und verdorrten.

 

Der Wind hob uns, die wir ganz leicht geworden waren,

aus unseren Wohnstätten; in dem Schweigen, das auf das

Unwetter folgte, schwebten wir über der vernichteten Stadt.

Allenthalben wogten wie vertrocknete Blätter unsere

pergamentenen Körper durch die Luft. Das Geräusch, das

entstand, wenn wir uns streiften, klang wie das Schicksal –

oder vielmehr so, als würden jene Mächte und Kräfte,

die wir als anonym verharmlosten, indem wir ihnen so

eilfertig die Bezeichnung Schicksal unterschoben, verhalten,

aber dennoch deutlich vernehmbar, fauchen und ächzen.

 

[...]